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Sonntagsspatziergang?

Seine Verzweiflung bei minus 8 Grad auf den Asphalt kotzen...

Die kühle Luft wehte ihr hinter die Ohren und kroch ihr in den Nacken. Sie spürte, wie die Kopfschmerzen, die ihre Gedanken im Moment noch einzuschnüren schienen, langsam nachließen. Sie beobachtete, wie ihre Schuhe nacheinander, erst der linke dann der rechte, in ihrem Blickfeld auftauchten und wieder verschwanden. Sie sah immer auf den Boden. Eine Angewohnheit, die sie sich selbst nicht erklären konnte. Wahrscheinlich war sie einfach zu faul, den Kopf zu heben. Hätte sie es diesmal getan, hätte sie die zugeschneiten Felder sehen können. Der Schnee glitzerte im Sonnenlicht und ... ja, das klingt kitschig, doch es war nun einmal so. Sie war nicht in der Stimmung für glitzernden Schnee. Sie war aus ihrem Loch gekrochen oder geflohen, musste für eine Weile weg sein. Schreib auf, was sie alles falsch gemacht hat und falsch machen wird, womit sie sich zerstört und nebenbei auch noch dich. Bitte schreibe es auf, sie kann es nämlich nicht mehr hören. Sie könnte jetzt nach Hause gehen, erklären, dass sie heulte, weil ihr doch alles so sehr leid tat, und nicht etwa, weil sie so wütend war, dass sie Kopfschmerzen bekam, dass sie nicht mehr klar denken konnte. Es würde heißen, es wäre schon gut, und sie solle sich einfach mehr Mühe geben. Dann würde man sich in den Armen liegen und alle würden versprechen sich zu besser. Die Damen und Herren verließen zufrieden das Kino. Es wird nicht mehr gezeigt, wie später jemand hinter einer Tür lehnt, sich die Seele aus dem Leib schreit, laut genug, um die Schreie, die von der anderen Seite der Tür kommen, zu übertönen. Am wütendsten machte es sie, wenn sie sich ertappt fühlte. Nein, aus ihr würde nie etwas werden. Es gibt Menschen, die sich sehr viel mehr Mühe in ihrem Leben geben, aus denen ist nichts Nennenswertes geworden. Warum also sollte sie etwas erreichen? Das führte sie zu der Frage, was sie mit diesem orientierungslosem, leerem Ding, das da in ihren Händen lag, ihrem Leben, eigentlich anfangen sollte. Sie konnte sich nicht sicher sein, ob sie es nicht, genau wie jeden einzelnen Regenschirm, den sie je besessen hat, im Bus liegen lassen würde. Es einfach verlieren, irgendwo auf der Strecke zurücklassen würde. Sie sah sich in zwanzig Jahren vor dem Fernseher sitzend, verblödet, wunschlos einfach, sich noch ein letztes Mal aufraffend, das Essen für die Kinder zu kochen. Sie setzte sich im Schneidersitz an den Straßenrand und ließ sich nach hinten in eine verschneite Hecke fallen. Der Schnee kühlte ihren Kopf wunderbar ab, sie schloss die Augen und beobachtete die davor tanzenden schwarzen Punkte. Sie wusste, was auch immer mit ihrem Leben passierte, allein an ihr lag, und es ausnahmweise nichts war, was ihr irgendwer abnehmen konnte. Sie überlegte gerade, ob sie nach Hause gehen sollte, als eine ältere Frau mit einer knallorangen Regenjacke und einem kleinen Kind an der Hand den Weg entlang kam. Die Frau drehte im Vorbeigehen übertrieben deutlich den Kopf zu ihr um und runzelte die Stirn. Sie hatte auf einmal das unglaubliche Bedürfnis, zu der Frau hinzugehen und ihr vor die Füße zu kotzen.

3.2.07 02:57
 


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